Open-Source-Werkzeug der Biotechnologie Fluch oder Segen?

Hallo Liste!

Habe folgende News auf Heise gesehen:

Erstes Open-Source-Werkzeug der Biotechnologie

Jetzt bin ich ein wenig verwirrt. Grundsätzlich finde ich es positiv,
dass sich auch Bio-Forscher um die Freie Gesellschaft kümmern.

Auf der anderen Seite habe ich aber Angst, dass es nicht viel mehr als
eine Marketingstrategie ist, um die Biotechnik auch von Frei-Denkenden
akzeptieren zu lassen.

Was haltet ihr von den Aktivitäten der [1]Cambia?

Happy hacking!
Patrick

[1] http://www.cambia.org/

Patrick Ohnewein wrote:

Auf der anderen Seite habe ich aber Angst, dass es nicht viel mehr als
eine Marketingstrategie ist, um die Biotechnik auch von Frei-Denkenden
akzeptieren zu lassen.

die freien lizenzen garantieren dem benutzer die freiheiten (die wir eh
schon kennen). sie kuemmern sich aber nicht darum was jemand mit der
software macht. das ist ja u.a auch der sinn hinter freier software.

also finde ich, steht es niemandem in der open source welt zu darueber
zu urteilen ob ein projekt das der os-welt moeglicherweise nicht
gefaellt mit deren software realisiert werden soll.

man erlaubt die freiheit ja uneingeschraenkt (bis meistens eben auf die
bekannten limitierungen, die dazu da sind um die freiheit zu schuetzen).
da kann man dann nicht ein projekt ausschliessen, weil es einem nicht in
den kram passt.

auch terroristen, die gnupg einsetzen um ihre nachrichten zu
verschluesseln haben schliesslich die freiheit diese software
einzusetzen. was auch immer sie damit anstellen.

und wenn ein projekt open source software nur als marketing-gag
einsetzt, dann soll es das. hat ja alle freiheiten dazu.

ich denke dass (wenn, dann) man nur ueber das projekt als solches
diskutieren sollte, aber nicht deswegen weil es mit open source software
realisiert wird.

peter

Peter Warasin schrieb:

ich denke dass (wenn, dann) man nur ueber das projekt als solches
diskutieren sollte, aber nicht deswegen weil es mit open source software
realisiert wird.

Vorsicht da herrscht ein Missverständnis.

Das Projekt benutzt die Prinzipien Freier Software und überträgt diese
auf dei Biotechnik. Also so habe ich es zumindest verstanden.

Natürlich soll jeder die Freiheit haben freie Software einzusetzten,
sonst gäbe es wieder eine Macht, die definieren darf, wer frei ist und
wer nicht.

Ich frage mich nur, ob es für die Allgemeinheit gut ist, wenn
Bioforschung nun die Philosophien der Freien Software übernimmt.

Gut ist mit Sicherheit, dass die Erkenntnisse jedem zugänglich gemacht
werden.

Aber fraglich ist, ob die Forschung in bestimmten Bereichen überhaupt
durchgeführt werden soll.

Könnte es also nur eine Marketingstrategie einzelner Forscher sein, mit
dem Buzword Open Source auch für mehr Zustimmung zur Biotechnik zu werben?

Wenn mich jemand fragen würde, was ich von Cambia halte, ob dieses
Projekt gut oder schlecht ist, könnte ich zur Zeit keine Antwort geben.

Und da der Dialog, durch einbringen vieler Meinungen meistens zu eine
gute Meinung führt. Habe ich das Thema auf die Liste gebracht :slight_smile:

Happy hacking!
Patrick

Patrick Ohnewein wrote:

Vorsicht da herrscht ein Missverständnis.

sorry.. hatte es nur ueberflogen.

trotzdem finde ich dass die idee an sich gleich ist. genauso koennte man
sich ueberlegen ob freie musik oder freie texte nicht etwa nur aus
marketingtechnischen gruenden frei sind.

Aber fraglich ist, ob die Forschung in bestimmten Bereichen überhaupt
durchgeführt werden soll.

ok. das ist aber eine andere und viel grundlegendere frage.

peter

Patrick,

eine wichtige Frage, die du da in dem Raum stellst: Eignet sich das Open
Source Prinzip grundsätzlich für *alle* Wissensbereiche, oder sollte man
aus "Sicherheit" Schranken setzen?

Ich möchte nicht lange ausschweifen und gleich zum Punkt kommen: Möglich
wäre das, meiner Meinung nach, nur, wenn wir in einer Welt lebten, die
sich nicht als Fragmente einzelner Völker und Individuen versteht,
sondern als gesellschaftliches Kollektiv, welches sich darüber bewußt
ist, daß Wissen verteilt werden *muß* bzw. für jeden zugänglich sein sollte.

Leider ist dem nicht so. Und so ist es erfoderlich, daß bestimmtes
technisches Wissen, wie z.B. der Bau einer Atombombe oder im konkreten
Fall Biotechnologie, wenn es in die "falschen" Hände gerät, Katastrophen
herbeiführen würde. Man kann streiten, inwiefern nun "Sicherheit"
greift, aber die Argumente pro und contra dürften wohl bekannt sein. In
meinen Augen gibt es keine. Andererseits ist es auch war, daß nicht
irgendein Trottel einfach so aus heiterem Himmel einen Nuklearsprengkopf
bauen kann.

Kurzum: Das Prinzip des Zugangs ist richtig. Zweifelhaft ist, ob der
Mensch das Prinzip versteht und allein schon aus dieser Einsicht mit
Respekt damit und mit seinen Mitmenschen umgeht.

Ciao
Pasquale